DOSB und Stiftung „Lebendige Stadt“ zeichnen Städte für Flüchtlingsarbeit aus:

Nürtingen ist integrierende Sportstadt Deutschlands

  • Anerkennungen für Bensheim, Falkensee, Hamburg, Maxdorf, Nürnberg und Stuttgart
  • 286 Bewerbungen
  • 15.000 Euro Preisgeld

Die Stiftung „Lebendige Stadt“ und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) haben die baden-württembergische Stadt Nürtingen als „integrierende Sportstadt“ ausgezeichnet. Gewürdigt wurde die Stadt für ihr umfassendes Sport- und Integrationsangebot für Flüchtlinge. Die Auszeichnung ist mit einem Preisgeld von 15.000 Euro verbunden. Anerkennungen erhielten zudem die Städte Bensheim, Falkensee, Hamburg, Maxdorf, Nürnberg und Stuttgart. 286 Bewerbungen aus dem In- und Ausland wurden eingereicht.

Die Stiftung „Lebendige Stadt“ und der DOSB haben Städte gesucht, die mit Sportangeboten auf Flüchtlinge zugehen, um darüber ihre Integration zu fördern sowie den Austausch zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen genauso wie Alt- und Neu-Bürgern zu intensivieren.

Alexander Otto

„Die Bewerbungen haben gezeigt, mit wie viel Kreativität und Engagement Stadtverwaltungen, Vereine und Ehrenamtliche Sportangebote für Flüchtlinge schaffen und darüber einen ganz wertvollen Beitrag für ihre Integration leisten. Zudem findet darüber ein Austausch mit den hier lebenden Menschen statt. Dieses Engagement verdient unsere Anerkennung und die Projekte Nachahmung. Auch hier wird deutlich, welche wichtige soziale Funktion der Sport erfüllt“, so Alexander Otto, Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung „Lebendige Stadt“.

Alle Preisträger 2016

Die Preisverleihung fand am Mittwochabend (14.09.2016) vor rund 300 Gästen im Hyatt Regency-Hotel in Düsseldorf statt. Zu den Laudatoren zählten: Dr. Lutz Aengevelt (Geschäftsführender Gesellschafter Aengevelt Immobilien), Dr. Burkhard Hintzsche (Stadtdirektor Düsseldorf), Lutz Lienenkämper (parlament. Geschäftsführer CDU-Landtagsfraktion NRW), Ulrike Nasse-Meyfarth (frühere Olympiasiegerin), Johannes Pfeiffer (Geschäftsführer Bundesagentur für Arbeit), Nurhan Soykan (Generalsekretärin Zentralrat der Muslime Deutschland) und Dr. Michael Vesper (DOSB-Vorstandsvorsitzender).

Sieger 2016 Nürtingen

Sieger des Stiftungspreises 2016: Nürtingen (Baden-Württemberg) (Preisgeld: 15.000 Euro)

Der Turnerbund Neckarhausen hat ein breit aufgestelltes Netzwerkprojekt aufgebaut. Gemeinsam mit vielen Akteuren ist es gelungen, Flüchtlinge in und über den Verein zu integrieren, diese zu eigenem Engagement zu motivieren und das Thema im Stadtteil positiv zu besetzen. Es begann mit der Organisation eines Fußballspiels mit Flüchtlingen anlässlich des jährlichen Vereinssportfestes. Inzwischen ist daraus ein Fest der Begegnung geworden und der Verein kooperiert mit Flüchtlingsinitiativen der Nachbarorte.

Zudem wurde im Turnerbund Neckarhausen die Stelle für ein Freiwilliges Soziales Jahr geschaffen, womit der Verein der erste Verein in Baden-Württemberg war. Die Stelle wurde mit dem syrischen Flüchtling Firas Abu Khraish besetzt. Er bildet durch seine im Verein und in Seminaren erlernten Fähigkeiten eine Schnittstelle zu Kindergärten und Schulen. Mittlerweile gestaltet Abu Khraish verschiedene Sportangebote in Kindergärten und leitet eine Fußball AG an Realschulen. Im Rahmen seiner Sozialarbeit kümmert er sich auch um Flüchtlingskinder der Deutschvorbereitungsklassen. Er ist ein wichtiger Unterstützer der Integrationsarbeit. 2016 wird die Stelle mit einem somalischen Flüchtling nachbesetzt und sogar um eine Stelle im Bereich „Sport und Schule“ ergänzt.

Anerkennung: Bensheim (Hessen)


Die DJK SSG Bensheim hat mit „Grenzenlos Fit“ ein umfassendes Integrationsprogramm für Migrantinnen initiiert. Das Projekt begann mit dem Erstkontakt zwischen Frauen mit und ohne Migrationshintergrund in einem vom städtischen Frauenbüro organisierten internationalen Frauentreff. Daraus entstand ein erstes Gymnastikangebot.

Der Austausch hat viele kreative Ideen hervorgebracht, wodurch das Angebot inzwischen deutlich erweitert wurde: Hinzu kamen Fahrrad- und Schwimmkurse, ein „Zumba trifft Bauchtanz“-Kurs sowie eine wöchentlich stattfindende Sprachwerkstatt. In der Sprachwerkstatt ist das Kochbuch „Grenzenlos fit im Kochen“ entstanden. Um die deutsche Sprache schnell zu vermitteln, achtet der Verein auf eine Durchmischung der Nationalitäten, so dass Deutsch die Hauptsprache ist.

Um die Vereinsarbeit und die Angebote bei Migrantinnen und Flüchtlingen bekannt zu machen, hat der Verein eine Integrationsbeauftragte, die eng mit dem Integrationsbeauftragten und den Integrationslotsen der Stadt zusammenarbeitet. 2012 hat der DOSB die DJK SSG Bensheim zum Integrationsstützpunktverein benannt.

Anerkennung: Falkensee (Brandenburg)


Die Sportgemeinschaft „Aktiv Sport“, ein Zusammenschluss aller Falkenseer Sportvereine, und die von engagierten Bürgerinnen und Bürgern zur Flüchtlingsintegration gegründete Initiative „Willkommen in Falkensee“ sind wesentliche Akteure der Flüchtlingshilfe.

Beide stehen den Flüchtlingen beratend zur Seite und bieten mit sechzehn Arbeitsgemeinschaften Kurse u.a. in Deutsch, Fahrradfahren, Musik und Sport an. Zahlreiche Flüchtlinge wurden in Sportmannschaften aufgenommen. Um die Sprachbarrieren weiter abzubauen, wird zukünftig ein eigener Sprachunterricht angeboten. Zudem werden vor Ort in den Aufnahmeeinrichtungen u.a. Krafttraining, Lauftreffs, Tischtennis und Badminton angeboten. Jugendliche aus Falkensee spielen mit den Flüchtlingen Fußball und eine Gruppe von Ruderern wird auf der Havel von einem erfahrenen Trainer trainiert. Neben einer Mutter-Kinder-Turngruppe wird das Angebot speziell für Frauen erweitert.

Unterstützung erfährt das Projekt durch die Stadt Falkensee, die Volkshochschule, Sprachschulen und Kirchen. Durch ein breites Netzwerk ist es in Falkensee gelungen, Unsicherheiten und Vorbehalte gegenüber Flüchtlingen abzubauen.

Anerkennung: Hamburg


Auf dem ehemaligen Gelände der Internationalen Gartenschau in Hamburg-Wilhelmsburg ist der Sportpark „Welt der Bewegung“ entstanden. Er umfasst Sport- und Freizeitangebote wie eine Basketballhalle, ein Schwimmbad, eine Kletterhalle und viele unentgeltlich nutzbare Anlagen wie eine Skatearena, ein Bouleplatz sowie eine Lauf- und Kanustrecke.

Für die nahe gelegene Erstaufnahmeeinrichtung wurde das Angebot „ParkSport mit Flüchtlingen“ initiiert. Vor allem in großen Flüchtlingsunterkünften entstehen Konflikte durch langes Warten und Nichtstun. Das Projekt trägt dazu bei, Konflikte zu vermeiden. Durch speziell vorbereitete Übungsleiter wird ein regelmäßiges Fußball-, Basketball- und Bewegungsangebot im Park durchgeführt. Es ist für Flüchtlinge ein verlässliches Angebot und eine Anlaufstelle außerhalb der Unterkunft. Spielerisch erlernen sie Regeln, Teamfähigkeit und die deutsche Sprache. Zudem werden Flüchtlinge dadurch zur Übernahme von kleineren Aufgaben und damit zu Verantwortung motiviert. Um das Angebot auszuweiten und zu etablieren, wurden Schülerinnen und Schüler einer Sportprofilklasse zu „ParkSportPiloten“ ausgebildet. Die Angebote werden gleichermaßen von Flüchtlingen und Einheimischen genutzt.

Anerkennung: Maxdorf (Rheinland-Pfalz)


Gemeinsam mit der TSG Maxdorf hat das von engagierten Bürgerinnen und Bürgern, der Verwaltung und Kirchen gegründete „NetzwerkHilfe“ das Programm „Integration Plus“ für somalische Flüchtlinge ins Leben gerufen. Nach Ankunft der ersten Asylbewerber in Maxdorf zeigte sich, dass gerade junge somalische Flüchtlinge intensiv betreut werden müssen.

Mit dem Sportangebot „Integration Plus“ werden Werte und Regeln vermittelt, die für den Alltag und auch für das spätere Berufsleben wichtig sind und zudem verfestigen sich durch wiederkehrende Abläufe klare Strukturen in ihrem Tagesablauf. Durch Aufnahme in einen Verein entsteht ein Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort und die deutsche Sprache wird vermittelt. Über den Sport hinaus übernehmen die jungen Somalier ehrenamtliche Aufgaben und leisten entlohnte Hilfsarbeiten.

Anerkennung: Nürnberg


Die Stadt Nürnberg hat Ende 2015 eine zentrale Koordinationsstelle als Bindeglied zwischen Verwaltung sowie Vereinen, Organisationen und Engagierten für den Flüchtlingssport eingerichtet. Dabei erfolgt eine enge Kooperation mit einer ehrenamtlichen Koordinatorin, die ihrerseits von 16 ehrenamtlichen Sport-Coaches unterstützt wird. Die Koordinatorin steuert Angebot und Nachfrage, unterstützt bis zur konkreten Umsetzung und organisiert den Einsatz der Sport-Coaches. Diese unterstützen die "Arbeit vor Ort", bauen Kontakte zwischen Flüchtlingsinitiativen, Sportvereinen und Einrichtungen der Asylbetreuung auf, begleiten die Trainings und stehen als Ansprechpartner zur Verfügung.

Das regelmäßig stattfindende Sportangebot ist vielfältig und wird von den Flüchtlingen intensiv genutzt. Es umfasst Individualsport- und Mannschaftssportarten - darunter auch Schwimmkurse - sowie Mutter-Kind-Kurse. Durch die Angebote werden die Flüchtlinge in das Vereinsleben integriert und erhalten Kontakt zu den einheimischen Bürgerinnen und Bürgern.

Anerkennung: Stuttgart


Die Duale Hochschule in Stuttgart hat einen besonderen Weg gefunden, junge unbegleitete Flüchtlinge zu integrieren: In Ländern wie Indien, Pakistan und Südafrika ist Cricket Nationalsport und auf der Beliebtheitsskala vergleichbar mit Fußball in Deutschland. Gemeinsam haben der Hochschulsport und das Zentrum für Interkulturelle Kompetenz und Sprachen ein Sportangebot geschaffen, bei dem vier unbegleitete junge Flüchtlinge bis zu 20 Studierenden Cricket vermitteln. Dabei erlernen die Flüchtlinge spielerisch die deutsche Sprache, knüpfen Kontakte und hier lebende Menschen probieren sich in einer neuen Sportart aus. Unterstützung erfährt das Projekt vom Jugendamt der Stadt Stuttgart. Jugendamt und Hochschule veranstalten Workshops, wie man Flüchtlinge zielgerichtet anspricht. Das Angebot steht allen jungen Flüchtlingen offen.

Alle Teilnehmer begegnen sich auf Augenhöhe. Die Studierenden profitieren von den Fähigkeiten und Kenntnissen der Flüchtlinge. Den jungen Flüchtlingen wird Verantwortung übertragen und sie erfahren für ihr Können und ihre Vermittlung Anerkennung und Dankbarkeit.

Die Preisjury

Dipl.-Ing. Kaspar Kraemer, Kaspar Kraemer Architekten BDA
Elsbeth Beha, Präsidentin DjK Sportverband e.V.
Iris Escherle, Referatsleiterin Bundesamt für Migration und Flüchtlinge
Burkhard Hintzsche, Stadtdirektor Stadt Düsseldorf
Dr. Heike Kaster-Meurer, Oberbürgermeisterin Bad Kreuznach
Franziska Kegler, Bundesliga-Stiftung
Dr. Agnes Klein, Dezernentin für Bildung, Jugend und Sport Stadt Köln
Frank Lösing, Bereichsleiter, DSK GmbH & Co. KG
Dagmar Mühlenfeld, Oberbürgermeisterin Mülheim an der Ruhr a.D.
Burkhard Petzold, Geschäftsführer Frankfurter Allgemeine Zeitung
Nurhan Soykan, Generalsekretärin Zentralrat der Muslime
Franz Springer, Dezernat Bildung, Kultur, Sport und Gleichstellung Deutscher Städtetag,
Antonino Vultaggio, Architekt, HPP Hentrich-Petschnigg & Partner
Dr. Michael Vesper, Vorstandsvorsitzender Deutscher Olympischer Sportbund
Kirsten Witte-Abe, stv. Ressortleiterin Chancengleichheit und Diversity Deutscher Olympischer Sportbund

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) ist Kooperationspartner des diesjährigen Stiftungspreises.

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